Spiel mit dem Terror?

Reflexionen über die Gewaltinszenierung eines ehemaligen kroatischen Kampfsoldaten

12 Seiten | Autor: Michaela Schäuble

„Sehe ich nicht genau wie Arafat aus?“ Marko lacht und wickelt sich eine kufiya, ein rot-weiß gemustertes Palästinensertuch, das seine Eltern von einer Pilgerreise aus Israel mitgebracht haben, um den Kopf. Er hat sich einen übertrieben großen schwarzen Schnurrbart angeklebt und trägt unter einer weißen Tunika seine tarnfarbene Armeehose und feste schwarze Armeestiefel. Auf den Rücken hat er sich eine aufwendig dekorierte Konstruktion geschnallt, die wie ein futuristisches Jet-Pack aussieht. Im Metallgestänge eines ausrangierten Rucksacks stecken senkrecht zwei Gaskartuschen, das Gestell ist mit batteriebetriebenen grün-rot blinkenden Lichtern einer Weihnachtsbeleuchtung des Vorjahres versehen. An den Gaskartuschen ist ein Pappschild angebracht, auf das er handschriftlich „Bok Amerika, pozdrav vašim blizancima! Vidimo se druge godine!“ („Hallo Amerika, Grüße an Eure Zwillingstürme! Wir sehen uns nächstes Jahr!“) geschrieben hat. Marko betrachtet sich noch einmal zufrieden im Spiegel und verläßt dann fröhlich pfeifend das Haus.

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Erschienen in
Berliner Debatte 3 | 2007
Erinnerungen an Gewalt
112 Seiten

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