Strategische Erinnerungen als „Kampf um die Lebenden“

Das Gedenken an das Massaker von Srebrenica bei in Berlin lebenden Bosniern

9 Seiten | Autor: Rozita Dimova

Dieser Artikel beschreibt einen wichtigen, in der Politik der Erinnerung enthaltenen Widerspruch: die Spannung zwischen tatsächlichen Erinnerungen vergangener traumatischer Erfahrungen und den politischen Zwängen, die solche Erinnerungen in aktuellen Kontexten beeinflussen. Gegenwärtige Komplikationen mit dem rechtlichen Status der Flüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina in Berlin haben einen Diskurs angeregt, den ich als „strategische Erinnerung“ bezeichne und der von vergangenen Ereignissen in einer sehr selektiven, planvollen und kalkulierten Art Gebrauch macht. Diese strategische Erinnerung unterscheidet sich sowohl von der Authentizität als auch von der Nicht-Authentizität dessen, „was wirklich passierte“. Statt dessen geht es um den rechtlichen und politischen Kontext, der die Ökonomie des Gedächtnisses selbst formt: seinen Inhalt, seinen performativen Aspekt und die Erzählungen, die den „realen Schmerz und das Leiden“ umfassen. Anstatt die Genauigkeit dessen zu evaluieren, was die Menschen erinnern, wird hier die gebrochene und nichtlineare, auf verdichteten Raum- Zeit-Achsen ruhende Verlaufsrichtung des Gedächtnisses analysiert: Es stützt sich auf die Vergangenheit, wirkt auf die Gegenwart und zielt darauf ab, Spannungen des rechtlichen Status für die Zukunft zu lösen.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2007
Unternehmen zwischen Aktionärsinteresse und sozialer Verantwortung
192 Seiten

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