Ist Max Webers verstehende Soziologie naturblind?

14 Seiten | Autor: Henri Band

In Max Webers Soziologie spielen Naturbezüge und ökologische Fragen tatsächlich keine prominente Rolle – wenn man heutige Maßstäbe der entwickelten Umweltsoziologie heranzieht. Gleichwohl soll Weber (stellvertretend für die Soziologie) gegen den Vorwurf der Naturblindheit bzw. eines strikten Anti- Naturalismus verteidigt werden, dem sich die Klassiker der Soziologie und die Soziologie insgesamt in aktuellen Diskussionen immer wieder ausgesetzt sehen. Kern der Kritik bildet die Behauptung, die Soziologie habe alle Referenzen auf Natur oder Natürliches aus der Betrachtung und Erklärung sozialer Phänomene getilgt, ja bewusst ausgegrenzt. Sieht man in den Schriften Webers selbst nach, stellt man fest, dass an vielen Stellen seines Werkes durchaus Naturbezüge in den Blick kommen, sowohl Fragen des Verhältnisses der Menschen zur äußeren Natur als auch des Verhältnisses zu ihrer eigenen Natur. Zudem hatte Weber ein klares Bewusstsein davon, dass sich das Selbstverständnis der Soziologie gerade auch gegenüber den anderen Humanwissenschaften und der Biologie zu profilieren und zu behaupten hat. Insofern kann eine Beschäftigung mit Weber der Soziologie helfen, die neuerlichen Herausforderungen durch die unter dem Label „Lebenswissenschaften“ zusammengefassten biologischen Wissenschaften vom Menschen ohne Selbstpreisgabe ihrer disziplinären Identität zu bestehen.

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Erschienen in
Berliner Debatte 4 | 2010
Gesampelte Gesellschaft
160 Seiten

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